Interview mit Paul Metzger
Am 18.08.2009 führte der SportMix ein Interview mit dem Brettener Oberbürgermeister Paul Metzger, das uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
Es ist Bewegung in die Präsidentenfrage beim KSC gekommen. Die Ankündigung von Rolf Kahn, für das Amt beim badischen Traditionsverein im Herbst 2009 zu kandidieren, hat so manchen Beobachter der Szene auf den Plan gerufen. Nicht zuletzt die kritischen Vorhaltungen von Titan-Vater-Kahn gegen das Management und den Trainerstab des Absteigers sorgen im Umfeld des Wildpark für Gesprächsstoff.
Nun ist die Rede einer Kampfkandidatur gegen den Amtsinhaber Hubert H. Raase und auch der Name Paul Metzger wird in diesem Zusammenhang in den Ring geworfen. Gibt es nun einen Dreikampf um die Macht im Wildpark?
Der Dribbler machte sich auf nach Brettheim und besuchte den Oberbürgermeister.
Dribbler: In einer großen, sehr bunten Zeitung war zu lesen, dass der ehemalige Oberbürgermeister von Bretten prominente Konkurrenz für seine Kandidatur um das Präsidentenamt beim KSC in Person von Rolf Kahn erhalten hat.
OB Paul Metzger: (lacht) ja! Noch ist es nicht soweit, mit dem Ex-OB! Aber es ist richtig, dass ich nach über 24 Jahren meinen Platz im Brettener Rathaus räumen werde, und im Januar nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiere.
Dribbler: Da klingt auch ein wenig Wehmut aus Ihrer Stimme?
OB Paul Metzger: Bestimmt! Wenn ich zurückblicke, was wir gemeinsam mit den Bürgern von Bretten erreicht haben, kann man schon von Wehmut sprechen.
Dribbler: An welche Projekte denken Sie dabei?
OB Paul Metzger: Zur Einführung meiner Amtszeit hatte die Stadt Bretten ein Gewerbesteueraufkommen von umgerechnet knapp 2,5 Millionen Euro. Heute erzielen wir über 22 Millionen.
Dies haben wir durch gezielte Stärkung der Region, und klarer Positionierung der Gewerbetreibenden erreicht. Die Ansiedlung von Gewerbegebieten und die damit anstehende Verlagerung von Firmen und deren Beschäftigten ist aber nur im Miteinander der Betroffenen in einer Art Win-Win Situation zu erreichen.
Dribbler: Könnte man da einen Hinweis auf Ihre Kandidatur in Sachen KSC erahnen?
OB Paul Metzger: Wenn Sie so wollen, JA! Nur mit der Einschränkung, dass ich niemals vom Präsidentenamt gesprochen habe. Dies taten stets Kräfte, die meinem Einfluss nicht unterliegen. Ich möchte vielmehr mein Wissen um Infrastruktur und meine Kontakte in der Region und im Land im Präsidium des KSC einbringen um den größten Imageträger der Stadt Karlsruhe wieder da zu positionieren, wo er meiner Meinung nach hin gehört.
Dribbler: Und wo gehört er hin?
OB Paul Metzger: Nach vorne! Der Wahlspruch muss lauten: „Wo wir sind ist vorne! Und wenn wir hinten sind, dann ist hinten vorne!“
Dribbler: Das klingt nach “Kurvenerfahrung”!
OB Paul Metzger: Genau! Die Führung des KSC hat die Basis aus den Augen verloren.
Ich hatte zahlreiche Gespräche mit den Supporters und deren Fangruppierungen, und dabei wurde mir klar, wer im Fundament den Verein trägt. Gerade die Supporters leisten an der Basis eine hervorragende Arbeit. Nicht auszudenken, wie unser Wildpark aussehen würde ohne das Engagement dieser Mitglieder. Sie schaffen ohne große finanzielle Verpflichtungen Strukturen und führen Menschen aufeinander zu, statt Sie zu trennen.
Dribbler: Und wer trennt die Massen?
OB Paul Metzger: Die Frage ist nicht wer? Die Frage ist warum? Warum wurde der Jugendetat um 50% gekürzt? Warum werden Mitglieder außen vorgelassen? Warum ist es nicht im Ansinnen der Geschäftsführung die Mitgliederzahl zu erhöhen?
Dribbler: Eins nach dem Anderen bitte? Was ist mit der Kürzung für die Jugendarbeit?
OB Paul Metzger: Ich erachte es als unabdingbar, die Jugendarbeit des KSC auf breiter Front zu stützen, zu stärken und zu finanzieren! Das verstehe ich auch unter „meiner Basis“. Der KSC ist in diesem Bereich nicht mehr der Selbstläufer wie vor Jahren! Wir haben hier sehr starke und sehr professionelle Konkurrenz erhalten. Gerade in der Region Rhein-Neckar mit der TSG Hoffenheim, aber auch mit dem SV Waldhof Mannheim und dem SV Sandhausen. Hier müssen wir wieder „vorne“ sein! Die Nachfolger eines Mehmet Scholls, eines Michael Sternkopfs, eines Oliver Kahns müssen wieder aus der Jugendschmiede des KSC kommen. Mit Etatkürzungen in diesem Bereich ist dies nicht zu realisieren.
Meine Meinung hierzu ist ganz klar! Versäumnisse in der Jugendarbeit wiegen schwerer wie jeder noch so große Fehleinkauf. Die 2. Mannschaft läuft doch nur noch nebenher. Sehr bedenklich, dass sie bereits zu Beginn der Spielzeit auf einem Abstiegsplatz liegt. Die zweite muss mindestens viertklassig bleiben.
Dribbler: Die Mitglieder?
OB Paul Metzger: Gerade in den Verhandlungen um den Stadionumbau/-neubau wurde und wird hier über die Köpfe der Mitglieder diskutiert. Ich habe Stadien besucht und deren Konzeptionen studiert, die unter Berücksichtigung der Fankultur errichtet wurden. Aktuellstes Beispiel hierfür ist der neue Tivoli in Aachen! Die Mitglieder wurden bereits in der Planung mit einbezogen und integriert. Dies wollte ich auch mit meiner PowerPoint-Präsentation im April den Menschen darlegen, dass es nur geht, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen und für Werte und Ziele einstehen. Die Reaktionen zeigten mir, dass wir auf einem guten und richtigen Weg wären.
Dribbler: Vom Umbau des Wildparks hört man seit dem Abstieg nichts mehr. Vom Neubau ganz zu schweigen!
OB Paul Metzger: Ich habe ein diskussionsfähiges, entscheidungsfähiges und realisierbares Konzept für einen Stadionneubau. Es kann doch nicht im Sinne der Stadt sein, eine Trasse wie den Adenauerring zur Durchführung eines Fußballspiels stundenlang zu sperren! Die miserable Infrastruktur, mit all seinen Problemen der Erreichbarkeit des Stadions können von der Stadt nicht länger schön geredet werden! Hier müssen tragfähige, moderne und effiziente Konzepte her! Eine S-Bahn, die bis ins Stadion fährt: Ein ICE der am Stadion hält und die Besucher aus der Region und die Fans der auswärtigen Mannschaft sicher und bequem befördern kann. Auch die finanziellen Gewinnchancen, die ein solches Vorhaben mit sich bringt, können einer auf Steuereinnahmen angewiesenen Stadt nicht egal sein!
Hier muss angegangen werden, was jahrelang liegen geblieben ist! Ich bin mir der Eigendynamik sicher, die ein solches Vorhaben in der ganzen Region auslösen würde!
Dribbler: Woher nehmen Sie Ihre Überzeugung?
OB Paul Metzger: Beispiel Düsseldorf! Hauptstadt des größten Bundeslandes! 3. Liga! Abstieg in die Vierte und dann kam das neue Stadion! Heute spielt die Fortuna wieder im Unterhaus der Bundesliga, verfügt über zahlreiche Premium-Sponsoren und hat im Umfeld des modernen Stadions Strukturen geschaffen, die weitreichender sind, wie alle 14 Tage ein Fußballspiel auszurichten.
Dribbler: Solche Strukturen würden Sie auch schaffen?
OB Paul Metzger: Die Berichterstattung bekommt doch hierdurch eine ganz andere Qualität!
Schauen Sie nach Paderborn, nach Augsburg alles neue Stadien! Auch Freiburg plant aktuell ein neues Stadion! Ich habe nicht öffentlich persönliche Gespräche geführt und stets eine sehr große Begeisterung und Unterstützung erfahren. Meine Interessen gehen gerade als Kommunalpolitiker weit über die Stadionfrage hinaus. Die Position des KSC muss wieder klar definiert werden. Das vermisse nicht nur ich, bei den Verantwortlichen im Wildpark.
Dribbler: Ihr Favorit für einen Stadionneubau?
OB Paul Metzger: Das Gleisdreieck. Die Anbindung mit Autobahn und öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ebenso perfekt wie die Realisierung im Bereich Vermarktung.
Dribbler: Die Mitgliederzahl soll nicht erhöht werden?
OB Paul Metzger: Im Bereich des Profisports hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert. Viele Vereine gliedern Ihre Profimannschaft aus, noch mehr denken darüber nach. Auch der KSC. Nur am Adenauerring hat man wohl Angst, dass eine zu große Mitgliederschar dies erschweren oder gar verhindern könnte.
Dribbler: Das hört sich nach Gewinnverhinderung an
OB Paul Metzger: Und nicht nur in diesem Bereich! Ich sage: man muss die Strömungen und Ressorsen des Vereins nutzen. Dies geschah in der Vergangenheit zu wenig oder gar nicht. Was ist aus dem Wildpark geworden? Die sanitären Einrichtungen entsprechen keinem zu bewertenden Standard. Die Jugendräume sind auf einem undiskutablen Stand. So kann es nicht weiter gehen!
Dribbler: Wie wollen Sie Abhilfe schaffen?
OB Paul Metzger: Meine Lebenserfahrung hat mir gezeigt, wenn ich Menschen für eine gemeinsame Sache begeistern und mobilisieren kann, hat das Gemeinwohl schon immer gewonnen!
Dribbler: Wie kann man das konkret verstehen?
OB Paul Metzger: In der Brettener Heimat- und Denkmalpflege haben wir in der nahen Vergangenheit Werte von über 4 Millionen Euro geschaffen! Ohne die Stadt! Durch Eigeninitiative und Liebe zum Projekt. Dies sollte unser Weg sein! Ich bin bekannt dafür dass ich anpacken und zupacken kann. Dafür möchte ich mich einbringen! Ich werde alles dafür tun, dass die finanzielle Schieflage des Vereins durch den Umbau des Wildparks nicht weiter geschwächt wird!
Dribbler: Ist die Stadionfrage noch „das“ Thema beim KSC?
OB Paul Metzger: Ein Stadionneubau muss her! Er ist direkt mit der Beständigkeit unseres KSC verbunden!
Dribbler: Sie würden wieder in die Diskussion einsteigen?
OB Paul Metzger: Ich bin doch noch gar nicht ausgestiegen! Wichtig ist mir hierbei, dass man Sachfragen über Personen stellt. Ich habe Zustimmung für meine Pläne bis nach Stuttgart. Bereits Herrn Fenrich wurde Unterstützung signalisiert und sogar aufgezeigt. Aber über Personen diskutiere ich nicht mehr, nur noch um den Inhalt der Sache! Und darum ist meine Position ganz klar festgelegt.
Dribbler: Die da wäre?
OB Paul Metzger: Wir müssen Schnittstellen zu Wirtschaft, Sponsorenbetreuung und Sponsorengewinnung schaffen!
Würden wir die Initiativen der Supporters auf diesen Bereich übertragen, würde die aktuelle Arbeitsqualität des Vereins um 100% steigen. Das ist so wichtig wie die Hefe zum Brot backen. So wichtig, wie der Fan in der Kurve.